Getriebe-Gehäusereparatur

Nachdem mein August-Ausflug nach Peckfitz ja mal wieder genug Arbeit eingebracht hat, möchte ich Euch hier zeigen, wie man
"kleinere Schäden" am Getriebe-Gehäuse selber reparieren kann.

Nach dem "Unter Last" Abscheren aller 4 Schrauben an meinem geteilten Kettenblatt hatte sich das Kettenblatt verkantet, die Kette ist gerissen und hat sich zwischen Getriebe-Gehäusedeckel und Ritzel verklemmt.

Dabei hat die Kette sich gleich noch gefaltet und den Getriebegehäusedeckel beschädigt, weil die Wucht der ungeplanten Belastung die Kette einfach durch das Aluminium in den Schaltkastenbereich gedrückt hat.

Zum Glück hat es keine tragenden Teile (Bohrungen) erwischt, so daß hier noch eine Reparatur möglich ist.

Der Aufwand den Getriebedeckel komplett zu erneuern steht jedenfalls in keinem Verhältnis dazu.

Ich möchte Euch hier zeigen, wie ich die Reparatur durchgeführt habe, falls Euch mal ein ähnliches Missgeschick passiert.

(Unter uns: Wenn man so blöd ist wie ich und 4.8er Schrauben für die Kettenblatt-verschraubung einsetzt, sollte man sich nicht wundern, wenn diese unter Last aufgeben)

Die Kettenblatt / Getriebe Abdeckung selber hat es dagegen hinter sich...
Also - nach dem Saubermachen der Schadstelle (Bremsenreiniger) habe ich zuerst 3 Löcher gebohrt, um dort Stifte zu plazieren, die die Verbindung mit der Grundstruktur verstärken sollen.

Ein scharfer Bohrer und Bohröl machen die Sache leichter.

Gebohrt habe ich einfach mit dem Akkuschrauber.

Es ist etwas schwierig genau fluchtend zu bohren, daher muß dieser Schritt vorsichtig - aber nach Augenmaß erfolgen.

In meinem Fall habe ich 2mm CFK-Stangen genommen.

Der Hauptgrund für die Stangen ist eigentlich nur, daß das später zu Einsatz kommende Flüssigmetall nicht gleich komplett wegläuft.

Im Hinteren Teil habe ich ein 1mm Stahlblech passend zugeschnitten,gebogen, angeraut, entfettet und mit Sekundenkleber fixiert.

Man muß sowohl Gehäuse sowie Paltte gut mit Bremensenreiniger entfetten.

Sekundenkleber ist absolut ausreichend, da sich das Flüssigmettal später ja auch noch mit der Platte verbinden wird.

Die 3 Kohlestangen (mit Übermaß) habe ich ebenfalls mit Sekundenkelber (mittelflüssig) fixiert.

Es bleibt genügend Zeit, die eingestrichenen Stangen drehend in die Bohrungen einzuführen

 

Auf der Vorderseite das gleiche Spiel.

1mm Stahlbelch, angepasst, entfettet und mit Sekundenkleber fixiert.

So sieht das vorbereitete Getriebegehäuse aus
Da es sich hier um ein kritisches Bauteil handelt, habe ich lieber etwas tiefer in die Tasche gegriffen und nicht den erstbesten Baumarkt-Flüssigmetallkleber genommen, sondern Industrie-Ware (3,2,1...)
Sicherheitshalber noch den unteren Teil des Gehäusedeckels abgeklebt...

Das Flüssigmetall habe ich angemischt und dann in eine Einwegspritze umgefüllt, mit deren Hilfe ich die vorbereiteten Hohlräume relativ leicht "ausgießen" konnte.

Das Zeug härtet wirklich innerhalb von 5min aus, also ist etwas zügigeres Arbeiten gefragt.

Im Gegenzug kann man dafür aber das Herausfließen aus dem Bauteil gut verhindern.

Hier haben die CFK-Stangen also genau den Beitrag geleistet, der von Ihnen erwartet wurde

Solange das Material noch nicht vollständig hart ist (~30min), kann man das "Metall" und die CFK-Stangen noch gut durchtrennen. Ein scharfes Messer oder ein Metallsägeblatt hift ungemein.

Dies war auch der Hauptgrund für den Einsatz von CFK-Stangen.
Für Metall-Stifte hätte es eines Seitenschneiders oder einer "richtigen" Säge bedurft, was beides nicht optimal gewesen wäre.

Mit einer kleinen Flachfeile kann man nach dem Aushärten die "Composite-Struktur" bearbeiten und wieder auf Passmaß bringen.

Passt !

Bereit zu Montage der Dichtung und der neuen Abdeckung...

Der Aufwand war relativ gering und zu meiner Überraschung ist das Ganze auch völlig problemlos abgelaufen.

Rechts im Bild sieht man noch die maträtierte Lagerung des Getriebehebels.
Zum Glück ist es nur eine Führung und der Hebel bewegt sich noch einwandfrei. Eine planare Fläche ist hier nicht unbedingt notwendig.